====== Lyx – Bedingungen (if / else / match) ======
Bedingungen steuern den Kontrollfluss in Lyx. Sie erlauben es, Codeblöcke nur dann auszuführen, wenn eine bestimmte logische Voraussetzung erfüllt ist.
→ [[lyx_-_programmiersprache:sprache:schleifen|Schleifen]] · [[lyx_-_programmiersprache:sprache:pattern-matching|Pattern Matching]] · [[lyx_-_programmiersprache:sprache:syntax|Sprachsyntax]]
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===== 1. Grundlegende Syntax =====
Eine ''if''-Bedingung erwartet einen Ausdruck, der zu ''bool'' evaluiert.
if (altitude < 1000) {
ActivateLandingGear();
} else if (altitude > 40000) {
ReduceThrust();
} else {
MaintainFlight();
}
* **Klammern**: Die Bedingung muss in runden Klammern stehen.
* **Blöcke**: Geschweifte Klammern ''{ }'' sind auch bei einzeiligen Anweisungen Pflicht.
* **Vergleich**: Lyx verwendet ''=='' für Gleichheit und '':='' für Zuweisung. In einer Bedingung wird ein einzelnes ''='' abgewiesen — ''%%if (x = 0)%%'' ist ein Syntaxfehler. So ist eine versehentliche Zuweisung in einer Bedingung strukturell unmöglich. (Als eigenständige Anweisung wird ''%%x = 42;%%'' derzeit noch als Zuweisung übersetzt, siehe [[https://github.com/SEOLizer/LyX-Compiler/issues/1575|#1575]].)
var speed: int64 := 250;
if (speed == 250) {
PrintLn("Reisegeschwindigkeit");
}
// Ungleich
if (speed != 0) {
PrintLn("Flugzeug bewegt sich");
}
// Kleiner/größer
if (speed > 300 | speed < 50) {
PrintLn("Außerhalb Normalbereich");
}
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===== 2. Logische Operatoren =====
^ Operator ^ Bedeutung ^ Auswertung ^ Beispiel ^
| ''&&'' | UND (AND) | Kurzschluss | ''a > 0 && b > 0'' |
| ''%%||%%'' | ODER (OR) | Kurzschluss | ''a == 0 %%||%% b == 0'' |
| ''&'' | UND (AND) | beide Seiten | ''a > 0 & b > 0'' |
| ''%%|%%'' | ODER (OR) | beide Seiten | ''a == 0 %%|%% b == 0'' |
| ''!'' | NICHT (NOT) | – | ''!(a > 0)'' |
| ''!='' | Ungleich | – | ''a != b'' |
**Kurzschlussauswertung:** ''&&'' und ''||'' werten die rechte Seite nur aus, wenn das Ergebnis noch nicht feststeht — ''&&'' bricht bei falscher linker Seite ab, ''||'' bei wahrer. Das Ergebnis ist immer auf 0/1 normiert.
Damit funktioniert das Null-Guard-Idiom:
if (p != 0 && deref(p) > 0) { ... } // deref(p) läuft nur wenn p != 0
''&'' und ''|'' werten dagegen **immer beide Seiten** aus. Sie sind die richtige Wahl für Bitmaskierung und Integer-Flags, nicht für Bedingungen mit Seiteneffekten oder Null-Prüfungen.
import std.io;
fn Check(x: int64, y: int64): void {
if (x > 0 && y > 0) {
PrintLn("beide positiv");
}
if (x < 0 || y < 0) {
PrintLn("mindestens eines negativ");
}
if (x != y) {
PrintLn("ungleich");
}
}
fn main(): int64 {
Check(3, 5);
Check(-1, 2);
Check(4, 4);
return 0;
}
==== Prüfung auf null ====
Lyx verwendet ''null'' (nicht ''nil'') für den Abwesenheitswert. Adressen werden als ''int64'' geführt — einen Pointer-Typ gibt es nicht (siehe [[lyx_-_programmiersprache:sprache:syntax|Syntax-Referenz, Abschnitt 4]]):
// Optionaler Sensor — 0 bedeutet "nicht vorhanden"
var sensor: int64 := 0;
// Erst prüfen, dann zugreifen
if (sensor != 0) {
ProcessData(peek64(sensor));
}
// Null-Koaleszenz-Operator
var safe_sensor: int64 := sensor ?? DefaultSensor();
> In DAL-A/B-Code sollten optionale Adressen durch typsichere ''result''-Rückgaben ersetzt werden — Null-Prüfungen sind fehleranfällig und schwer zu analysieren.
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===== 3. Fallunterscheidung mit Rückgabewert =====
Ein ''if'' als **Ausdruck** gibt es nicht — ''return if (x < 0) { -x } else { x };'' ist ein Syntaxfehler, ebenso der ternäre Operator ''cond ? a : b''. Stattdessen ''return'' in beiden Zweigen oder ''match'':
fn Abs(x: int64): int64 {
if (x < 0) { return -x; }
return x;
}
fn ClampLabel(v: int64): pchar {
if (v < 0) { return "negativ"; }
if (v == 0) { return "null"; }
return "positiv";
}
''match'' ist dagegen als Ausdruck verwendbar und oft die kompaktere Form:
fn DayName(day: int64): pchar {
return match (day) {
case 1 => "Montag";
case 2 => "Dienstag";
case _ => "Ungültig";
};
}
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===== 4. Probabilistische Entscheidungen =====
Einen eingebauten Typ ''qbool'' und Literale wie ''0.01q'' gibt es **nicht**. Probabilistische Logik läuft über die Unit ''std.qbool'' und deren Struct-Typ ''QBool''; die Auswertung zu einem echten ''bool'' erfolgt mit ''Observe()'':
import std.qbool;
var failure: QBool := QBoolNew(0.01); // 1 % Ausfallwahrscheinlichkeit
if (Observe(failure)) {
// wird mit ~1 % Wahrscheinlichkeit ausgefuehrt
TriggerEmergencyRoutine();
}
''QBool'' ist kein Ersatz für normale Bedingungen in Safety-kritischem Code — es ist ein Werkzeug für probabilistische Modellierung.
→ Details: [[lyx_-_programmiersprache:units:qbool|std.qbool]] · [[lyx_-_programmiersprache:sprache:datentypen|Datentypen, Abschnitt 6]]
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===== 5. Pattern Matching (match) =====
Für Enum-Fallunterscheidungen und strukturierte Typen bietet Lyx ''match'' als typsichere Alternative zu langen ''if/else if''-Ketten.
match (flight_state) {
case State.Idle => { PowerOn(); }
case State.Taxiing => { SetFlaps(10); }
case State.InAir => { RetractGear(); }
case _ => { LogError(); }
}
> **Auf ''--target=lyxos'' wählt ''match'' keinen Zweig** — auch nicht den Auffangfall ''case _''. Das Programm übersetzt ohne Meldung, läuft durch und gibt aus dem ''match'' nichts aus ([[https://github.com/SEOLizer/LyX-Compiler/issues/1825|#1825]], offen). Auf ''linux'', ''arm64'' und ''riscv'' ist das Verhalten unauffällig.
>
> Wer für Lyx OS baut, benutzt bis dahin ''if''/''else if''-Ketten — die tragen dort seit ''lyxc 1.1.8C'' ([[https://github.com/SEOLizer/LyX-Compiler/issues/1757|#1757]]).
* **Exhaustiveness**: Der Compiler prüft (v0.9.0+), ob alle Enum-Werte abgedeckt sind. Fehlt ein Wert, ist es ein Compile-Fehler.
* **Kein Fallthrough**: Im Unterschied zu C/Java gibt es kein implizites Durchfallen zwischen Fällen.
* ''case _ =>'' ist der Wildcard-Fall. Ein ''default''-Zweig wie in C/Java existiert **nicht** — ''default'' ist zwar ein reserviertes Wort, wird von ''match'' aber nicht akzeptiert.
→ Vollständige Dokumentation: [[lyx_-_programmiersprache:sprache:pattern-matching|Pattern Matching]]
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===== 6. switch =====
Neben ''match'' gibt es ''switch''. Der Unterschied: ''switch'' vergleicht gegen **Konstantenausdrücke**, kennt einen ''default''-Zweig und ist eine Anweisung — kein Ausdruck. Jeder Zweig ist ein **Block**.
import std.io;
fn main(): int64 {
var x: int64 := 2;
switch (x) {
case 1: { PrintLn("eins"); break; }
case 2: { PrintLn("zwei"); break; }
default: { PrintLn("andere"); break; }
}
return 0;
}
==== Kein Fall-through ====
**Jeder Zweig muss mit ''break'' oder ''return'' enden** — auch der letzte und auch ''default''. Fehlt es, meldet der Compiler:
sema error: switch case may fall through; add 'break' or 'return'
Das kehrt das Verhalten von C um: Dort fällt ein Zweig ohne ''break'' in den nächsten, und das vergessene ''break'' ist die häufigste Fehlerquelle des Konstrukts. In Lyx ist es umgekehrt ein Übersetzungsfehler.
==== Konstantenausdrücke als Label ====
Ein ''case''-Label darf jeder zur Übersetzungszeit berechenbare Ausdruck sein — ein Literal, eine ''con''-Konstante oder eine Rechnung daraus:
con GRENZE: int64 := 5;
switch (wert) {
case GRENZE: { PrintLn("an der Grenze"); break; }
case 2 * 3: { PrintLn("sechs"); break; }
default: { break; }
}
==== switch oder match? ====
^ Kriterium ^ ''switch'' ^ ''match'' ^
| Als Ausdruck verwendbar | Nein | Ja — ''%%var r := match (x) { … }%%'' |
| Auffangfall | ''default:'' | ''case _ =>'' |
| Bereiche | Nein | Ja — ''%%case 0..500 =>%%'' |
| Guards | Nein | Ja — ''case 5 if x > 3 =>'' |
| Zweig-Abschluss | ''break''/''return'' Pflicht | nicht nötig |
→ [[lyx_-_programmiersprache:sprache:pattern-matching|Pattern Matching — match im Detail]]
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===== 7. MC/DC und DO-178C Relevanz =====
Für Luftfahrt-Zertifizierung (**DAL A/B**) reicht Branch-Coverage nicht aus — gefordert ist **Modified Condition/Decision Coverage (MC/DC)**.
// Drei Bedingungen — für MC/DC braucht man 4 Testfälle (nicht 8)
fn IsLandingAllowed(gear_down: bool, speed_ok: bool, runway_clear: bool): bool {
return gear_down & speed_ok & runway_clear;
}
Der Compiler instrumentiert alle Bedingungen für MC/DC-Analyse:
// Build mit MC/DC-Instrumentierung:
// lyxc --mcdc-report src/flight.lyx -o /dev/null
// Achtung: zaehlt a && b als EINE Bedingung (#1524) — die Mindestzahl
// der Testfaelle ist von Hand herzuleiten
//
// Nach dem Testlauf Coverage-Report erzeugen:
// Eine HTML-Aufbereitung gibt es nicht (#1524)
> Jede Teilbedingung in einem zusammengesetzten Ausdruck muss **unabhängig** das Gesamtergebnis beeinflussen können. Der Report zeigt welche Test-Vektoren dies nachweisen.
→ Vollständige Dokumentation: [[lyx_-_programmiersprache:guides:do-178c|DO-178C Compliance]]
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===== 8. Kein Präprozessor — Compile-Zeit-Bedingungen in Lyx =====
Lyx hat **keinen Präprozessor** und keine ''#ifdef''/''#if''-Direktiven. Das ist eine bewusste Designentscheidung: Präprozessor-Konditionierung macht statische Analyse, MC/DC-Coverage und WCET ([[lyx_-_programmiersprache:sprache:attributes-pragmas|@wcet]])-Berechnung schwieriger, weil der Compiler immer nur eine Variante des Codes sieht.
Stattdessen gibt es drei saubere Alternativen:
==== Alternative 1: con-Konstanten (Compile-Zeit-Auswertung) ====
Konstante Ausdrücke mit ''con'' werden zur Compile-Zeit ausgewertet. Der Compiler eliminiert dead branches automatisch:
con DEBUG_BUILD: bool := false;
fn LogMessage(msg: pchar): void {
if (DEBUG_BUILD) {
Print(msg); // Compiler entfernt diesen Block im Release-Build vollständig
}
}
Der Unterschied zu ''#ifdef DEBUG'': Der Code ist immer syntaktisch und typkorrekt geprüft — auch der "tote" Zweig wird geparst und typgeprüft. Tippfehler in Debug-Code werden nicht erst beim Debug-Build entdeckt.
==== Alternative 2: Separate Unit-Dateien pro Plattform ====
Für plattformspezifische Implementierungen werden separate Units angelegt und per Import ausgewählt:
src/
platform/
timer_linux.lyx // unit platform.timer; — Linux-Implementierung
timer_esp32.lyx // unit platform.timer; — ESP32-Implementierung
main.lyx
# Linux-Build
lyxc main.lyx -I src/platform/linux -o app
# ESP32-Build
lyxc main.lyx -I src/platform/esp32 --target=esp32 -o app.elf
Der ''import platform.timer;'' in ''main.lyx'' bleibt identisch — der ''--include''-Pfad entscheidet, welche Implementierung genommen wird.
==== Alternative 3: @target-spezifische Attribute ====
Architektur-spezifisches Verhalten wird über ''@section'', ''@energy'' und ''@extern'' gesteuert — nicht über Textsubstitution:
// Immer korrekt — der Compiler wählt die passende Codegen-Strategie
@energy(1)
fn SleepMs(ms: int64): void {
// Auf ARM: WFI-Instruktion; auf x86: PAUSE + HLT
// Der Compiler kennt das --target und erzeugt plattformgerechten Code
}
^ C-Präprozessor-Muster ^ Lyx-Äquivalent ^
| ''#ifdef DEBUG'' | ''con DEBUG: bool := false;'' + normale ''if''-Bedingung |
| ''#ifdef __linux__'' | Separate ''-I''-Pfade pro Plattform |
| ''#define MAX_SIZE 1024'' | ''con MAX_SIZE: int64 := 1024;'' |
| ''#ifdef ARM'' / ''#ifdef X86'' | ''--target=arm64'' / ''--target=linux'' + plattformspezifische Units |
| ''#pragma once'' | Nicht nötig — jede ''.lyx''-Datei ist eine Unit mit eindeutigem Namen |
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Letzte Aktualisierung: 2026-08-27 — Hinweis zu ''match'' auf ''--target=lyxos'' ergänzt (#1825), mit ''lyxc 1.1.11B'' erhoben.
Codebeispiele geprüft: gegen **lyxc 1.2.5C** übersetzt (Prüflauf 2026-09-08 über die gesamte Doku: 574 Vollprogramme, 0 echte Fehler; zusätzlich 5159 Aufrufe gegen die ''pub fn''-Signaturen in ''aurum/std'' gehalten, 0 Abweichungen).