Bedingungen steuern den Kontrollfluss in Lyx. Sie erlauben es, Codeblöcke nur dann auszuführen, wenn eine bestimmte logische Voraussetzung erfüllt ist.
→ Schleifen · Pattern Matching · Sprachsyntax
Eine if-Bedingung erwartet einen Ausdruck, der zu bool oder qbool evaluiert.
if (altitude < 1000) {
ActivateLandingGear();
} else if (altitude > 40000) {
ReduceThrust();
} else {
MaintainFlight();
}
{ } sind auch bei einzeiligen Anweisungen Pflicht.= für Gleichheit (nicht ==) und := für Zuweisung. So ist eine versehentliche Zuweisung in einer Bedingung strukturell unmöglich.
var speed: int64 := 250;
if (speed = 250) {
PrintLn("Reisegeschwindigkeit");
}
// Ungleich
if (speed != 0) {
PrintLn("Flugzeug bewegt sich");
}
// Kleiner/größer
if (speed > 300 | speed < 50) {
PrintLn("Außerhalb Normalbereich");
}
| Operator | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
& | UND (AND) | a > 0 & b > 0 |
| | ODER (OR) | a = 0 | b = 0 |
! | NICHT (NOT) | !(a > 0) |
!= | Ungleich | a != b |
Lyx verwendet&und|— nicht&&und||. Beide Seiten werden immer ausgewertet (keine Short-Circuit-Evaluation per Default). Für Short-Circuit-Auswertung: Bedingungen in separateif-Blöcke verschachteln.
import std.io;
fn Check(x: int64, y: int64): void {
// Beide Operanden werden immer ausgewertet
if (x > 0 & y > 0) {
PrintLn("beide positiv");
}
if (x < 0 | y < 0) {
PrintLn("mindestens eines negativ");
}
if (!(x = y)) {
PrintLn("ungleich");
}
}
fn main(): int64 {
Check(3, 5);
Check(-1, 2);
Check(4, 4);
return 0;
}
Lyx verwendet nil (nicht null) für den Abwesenheitswert optionaler Typen:
// Optionaler Sensor — kann nil sein
var sensor: ^SensorData := nil;
// Erst auf nil prüfen, dann zugreifen
if (sensor != nil) {
ProcessData(sensor^.value);
}
// Alternativ: Nil-Koaleszenz-Operator
var safe_sensor: ^SensorData := sensor ?? ^DefaultSensor;
In DAL-A/B-Code sollten optionale Pointer durch typsichereresult-Rückgaben ersetzt werden —nil-Checks sind fehleranfällig und schwer zu analysieren.
if kann als Ausdruck verwendet werden, wenn beide Zweige denselben Typ zurückgeben:
fn Abs(x: int64): int64 {
return if (x < 0) { -x } else { x };
}
fn ClampLabel(v: int64): pchar {
return if (v < 0) { "negativ" } else if (v = 0) { "null" } else { "positiv" };
}
Lyx unterstützt den Typ qbool für probabilistische Logik — z.B. für Energie-Aware-Entscheidungen oder Wahrscheinlichkeits-Simulationen.
// 1% Ausfallwahrscheinlichkeit
var failure_prob: qbool := 0.01q;
if (failure_prob) {
// Dieser Block wird mit ~1% Wahrscheinlichkeit ausgeführt
TriggerEmergencyRoutine();
}
qbool ist kein Ersatz für normale Bedingungen in Safety-kritischem Code — es ist ein Werkzeug für probabilistische Modellierung im Energy-Aware-Programmiermodell.
→ Ausführlich: Energy-Aware-Programmiermodell
Für Enum-Fallunterscheidungen und strukturierte Typen bietet Lyx match als typsichere Alternative zu langen if/else if-Ketten.
match (flight_state) {
case State.Idle => { PowerOn(); }
case State.Taxiing => { SetFlaps(10); }
case State.InAir => { RetractGear(); }
default => { LogError(); }
}
_ ist der Wildcard-Fall (entspricht default).→ Vollständige Dokumentation: Pattern Matching
Für Luftfahrt-Zertifizierung (DAL A/B) reicht Branch-Coverage nicht aus — gefordert ist Modified Condition/Decision Coverage (MC/DC).
// Drei Bedingungen — für MC/DC braucht man 4 Testfälle (nicht 8)
fn IsLandingAllowed(gear_down: bool, speed_ok: bool, runway_clear: bool): bool {
return gear_down & speed_ok & runway_clear;
}
Der Compiler instrumentiert alle Bedingungen für MC/DC-Analyse:
// Build mit MC/DC-Instrumentierung:
// lyxc --mcdc-instrument --coverage-report=cov.json src/flight.lyx
//
// Nach dem Testlauf Coverage-Report erzeugen:
// lyxc --coverage-report-html=report/ cov.json
Jede Teilbedingung in einem zusammengesetzten Ausdruck muss unabhängig das Gesamtergebnis beeinflussen können. Der Report zeigt welche Test-Vektoren dies nachweisen.
→ Vollständige Dokumentation: DO-178C Compliance
Lyx hat keinen Präprozessor und keine #ifdef/#if-Direktiven. Das ist eine bewusste Designentscheidung: Präprozessor-Konditionierung macht statische Analyse, MC/DC-Coverage und WCET-Berechnung schwieriger, weil der Compiler immer nur eine Variante des Codes sieht.
Stattdessen gibt es drei saubere Alternativen:
Konstante Ausdrücke mit con werden zur Compile-Zeit ausgewertet. Der Compiler eliminiert dead branches automatisch:
con DEBUG_BUILD: bool := false;
fn LogMessage(msg: pchar): void {
if (DEBUG_BUILD) {
Print(msg); // Compiler entfernt diesen Block im Release-Build vollständig
}
}
Der Unterschied zu #ifdef DEBUG: Der Code ist immer syntaktisch und typkorrekt geprüft — auch der „tote“ Zweig wird geparst und typgeprüft. Tippfehler in Debug-Code werden nicht erst beim Debug-Build entdeckt.
Für plattformspezifische Implementierungen werden separate Units angelegt und per Import ausgewählt:
src/
platform/
timer_linux.lyx // unit platform.timer; — Linux-Implementierung
timer_esp32.lyx // unit platform.timer; — ESP32-Implementierung
main.lyx
# Linux-Build
lyxc main.lyx -I src/platform/linux -o app
# ESP32-Build
lyxc main.lyx -I src/platform/esp32 --target=esp32 -o app.elf
Der import platform.timer; in main.lyx bleibt identisch — der –include-Pfad entscheidet, welche Implementierung genommen wird.
Architektur-spezifisches Verhalten wird über @section, @energy und @extern gesteuert — nicht über Textsubstitution:
// Immer korrekt — der Compiler wählt die passende Codegen-Strategie
@energy(1)
fn SleepMs(ms: int64): void {
// Auf ARM: WFI-Instruktion; auf x86: PAUSE + HLT
// Der Compiler kennt das --target und erzeugt plattformgerechten Code
}
| C-Präprozessor-Muster | Lyx-Äquivalent |
|---|---|
#ifdef DEBUG | con DEBUG: bool := false; + normale if-Bedingung |
#ifdef linux | Separate -I-Pfade pro Plattform |
#define MAX_SIZE 1024 | con MAX_SIZE: int64 := 1024; |
#ifdef ARM / #ifdef X86 | –target=arm64 / –target=linux + plattformspezifische Units |
#pragma once | Nicht nötig — jede .lyx-Datei ist eine Unit mit eindeutigem Namen |
Letzte Aktualisierung: 2026-06-05